Das Toilettenpapier ist schon wieder alle. Erbärmlich nackt liegt die Papprolle auf dem Halter. Er hat sie schon wieder leer gemacht, ohne sie zu wechseln. Seit Beginn ihrer Beziehung geht das schon so. Und es ist nicht nur das Toilettenpapier. Auch in Sachen Küche oder Wäsche ist es das gleiche Schema. Er konsumiert, sie räumt oder füllt auf. Und auch heute wird sie eine neue Rolle auf den Halter stecken und ihren Unmut mit in die Nacht nehmen. Weiteres Futter für ihr nächtliches Zähneknirschen.

Die Spieltheorie als Retter der Beziehung

Die Spieltheorie ist mannigfaltig, doch primär beschreibt sie die Phänomene innerhalb menschlicher Interaktionen. Kern der Spieltheorie ist die Wahrscheinlichkeit, mit der die Spieler (Menschen) eines Spiels (Situation) kooperieren oder eben nicht. Kooperation ist die Superpower des Menschen. Aber in sehr vielen Bereichen des Lebens kann Kooperation auch destruktiv sein – vor allem in einer Beziehung, in der ein Spieler die Ausbeuter-Strategie praktiziert.

Die meisten unserer Handlungen sind unbewusst. Folglich ist auch die Ausbeuter-Strategie nicht unbedingt ein Akt von Böswilligkeit. Der Spieler, der sie anwendet, kam mit dieser Strategie bisher einfach gut durchs Leben, sodass es keinen Grund zu Veränderung gab. Er konnte sich vermutlich seit seiner Kindheit darauf verlassen, dass die anderen Menschen (vor allem seine Mutter) kooperieren, obwohl er unkooperativ ist.

Die Ausbeuter-Strategie – Mütter, die es nur gut meinen

Die Ausbeuter-Strategie des Ehemannes wird von der Frau oftmals hingenommen und mit stiller Kooperation belohnt. Der Ehemann führt fort, was seine Mutter ihm beigebracht hat. Die Frau im Haus räumt dir gerne hinterher. Schließlich bist du Mamas ganzer Stolz. In einer Beziehung übt er die Ausbeuter-Strategie ohne schlechte Intentionen weiter aus. Seine Partnerin bestätigt seine Annahme widerstandslos, indem auch sie ihm hinterher räumt. Sie nervt es zwar, ihr Mangel an Selbstbewusstsein lässt den Boykott jedoch nicht zu. Das wiederum ist das Verschulden ihrer Mutter, die sie zum Lieb-sein erzog.

Mutter bringt ihrem Kind putzen bei - als Vorbereitung für das Leben und Beziehung

Stattdessen frisst sie die Mehrbelastung ein und konditioniert sich selbst sogar dahingehend, dass sie ein Problem hat, nicht ihr Partner. Immerhin ist doch allgemein bekannt, dass Männer es nicht so mit dem Haushalt haben. Das können Frauen einfach besser. Wenn sie sein Verhalten plötzlich in Frage stellt, wird sie nur noch mehr im Schatten seiner Mutter stehen. Und das natürliche Ziel einer Ehefrau ist es, besser zu sein als seine Mutter – und vor allem als ihre eigene Mutter.

Kommen Kinder hinzu, wächst die Bürde des Hinterherräumens um ein Vielfaches. Mental Load und eine morbide Beziehung sind die Folge. Hinzu kommt, dass sie die Fehler ihrer Schwiegermutter und die Fehler ihrer eignen Mutter wiederholen wird. Ihre Tochter wird sie zum Lieb-sein erziehen, ihren Sohn dagegen zum Ausbeuter. Diese Delegation wird unbewusst ablaufen. Es ist lediglich die Rollenverteilung, die sie kennt. Da sie der Ausbeuter-Strategie nie was entgegensetzen konnte, hat sie auch keine Alternative, die sie ihren Kindern vermitteln könnte. Sie weiß selbst nicht, was passiert, wenn man bei der Ausbeuter-Strategie nicht kooperiert.

Aufrechterhaltung des Ausbeuter-Systems

Erst wird es schlimm, dann besser – sehr viel besser. Die Schreckensszenarien vieler Frauen entsprechen nicht der Realität. „Dann passiert etwas Schlimmes“ haben nicht wenige Mädchen von ihrer Mutter gehört, wenn zum Lieb-Sein gebracht werden sollten. Was das Schlimme ist, blieb unbekannt. Und das Unbekannte war das Schlimme. Die destruktive Fantasie der Mädchen, die diesen Satz zu hören bekamen, konnte ungehindert gedeihen und das Selbstvertrauen zersetzen.

Mädchen mit einer starken Vaterbeziehung sind selbstbewusster. Sie lernen von der männlichen Seite, an sich zu glauben und auch in unbequemen Situationen für sich selbst einzustehen. Von ihrer Mutter werden sie zu sehr vor unbequemen Situationen bewahrt und in die unterlegene Frauenrolle gedrängt. Dadurch sind es ironischerweise oftmals Frauen selbst, die das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern aufrecht erhalten. Vorwiegend in ihrer Rolle als Mutter. Für eine gerechtere Welt müssen Mütter mit der Erziehung von Lieb-Sein-Mädchen und Ausbeuter-Jungen brechen. Dazu bedarf es selbstverständlich Kenntnisse über das Spiel namens Beziehung. Diese Spielregeln finden sich in der Spieltheorie.

Das Ende der Kooperation – Beginn der Beziehung

Es passiert nichts Schlimmes, wenn ich Nein sage. Diese Affirmation ist so wahr wie schwierig zu verinnerlichen. Tatsächlich ist das Schlimmste, das einem Menschen widerfahren kann, sich selbst zu enttäuschen. Kooperation mit der Ausbeuter-Strategie ist aber genau das. Selbstenttäuschung, die mittel- und langfristig auf die Gesundheit schlägt. Nächtliches Zähneknirschen ist ein triftiger Indikator dafür, dass sehr bald etwas aufhören muss. Meistens ist dies die selbstlose Kooperation.

Was ist das Gegenteil von Kooperation?

Es gibt kein gängiges Gegenteil von Kooperation, das nicht gleich einen Konflikt beschreibt, wie z.B. Krieg, Sabotage oder Streit. Das suggeriert, dass es entweder Kooperation oder „etwas Schlimmes“ gibt. Das ist eine absolut falsche Annahme, die fast jede Beziehung ins Aus schießen kann. Im Falle des Toilettenpapiers und allen weiteren Punkten muss die Kooperation unbedingt verweigert werden.

Paar hat Probleme in ihrer Beziehung

Nicht zu kooperieren, bedeutet nicht gleichzeitig verbale Konfrontation. Das heißt, nicht das zu tun, was der Ausbeuter voraussetzt. Das verwirrt ihn genug, um ein Bewusstsein für sein Handeln zu provozieren. Der Toilettenpapierhalter bleibt leer. Idealerweise lernt sie, dass sie gar kein Toilettenpapier braucht, damit ihr die leere Rolle egal sein kann. Aber auch, wenn sie weiterhin Papier nutzen will, die leere Rolle darf sie nicht wechseln. Er muss selbst erleben, worüber sie sich all die Zeit aufregt – Kein Toilettenpapier, obwohl man dringend welches braucht. Das bringt Bewegung ins Spiel.

Sollte er die Konfrontation suchen und fragen, warum sie beim letzten Toilettengang nicht die Rolle erneuert hat, muss sie über sich hinauswachsen und die Situation aushalten bzw. für sich nutzen. Immerhin spricht sie mit ihrem Partner über ihre Beziehung. Wenn sie hier nicht ehrlich sein kann, welchen Wert hat diese Beziehung dann? Sie muss ihm sagen, dass der Fehler bei ihm liegt. Notfalls mit einem Beweisfoto. Und sie muss ihn wissen lassen, dass die Annahme „sie macht das schon“ nicht in eine gesunde Beziehung gehört.

Der Moment der Konfrontation wird vielleicht schmerzen. Aber er markiert einen Meilenstein für die Beziehung und für sie als ungerecht behandelte Spielerin dieser dauerhaften Interaktion. Sollte ihr Partner darum die Beziehung in Frage stellen, dann ist dieser Partner vielleicht kein Material für eine ewige Beziehung. Diese Erkenntnis ist hart, aber darum ist es immens wichtig, die Kooperation gleich zu Beginn der Beziehung in den Bereichen zu verweigern, wo er die Ausbeuter-Strategie an den Tag legt. Da sind solche Erkenntnisse noch sehr viel einfacher in Entscheidungen umzuwandeln als später.

Spieltheorie als Fackel in der Nacht

Die Ausbeuter-Strategie ist selbstverständlich kein männliches Monopol. Auch Frauen können diese Strategie sehr gut beherrschen. Vor allem unter Frauen wenden dominante bzw. selbstbewusstere Frauen die Ausbeuter-Strategie gegenüber weniger selbstbewussten Frauen an. Aufgrund ihrer eigenen Kindheit und/oder Erziehung, oder weil sie diese Strategie von den Männern abgeguckt haben. Je weniger Selbstbewusstsein ein Ausbeuter wahrnimmt, desto stärker wird er seine egoistische Strategie ausweiten.

Es ist das typische Dilemma von Mobbing-Opfern. Sie trauen sich nicht, gegen den Tyrannen aufzubegehren, weil sie fürchten, das Mobbing würde dadurch nur schlimmer werden. Aber auch ein Tyrann will Energie sparen. Also geht er früher oder später zum nächstschwächeren Opfer über.

Kooperation und Belohnung

Treffen zwei Ausbeuter aufeinander gibt es keine Kooperation. Ein Ausbeuter braucht immer einen, der sich fügt – aus Angst, gar nichts zu bekommen. Wenn man hört, dass sich Mitarbeiter von großen Konzernen ausbeuten lassen, fragt man sich als Außenstehender „Warum kündigen die nicht einfach?“ Aber die Selbstlüge, dass der Jobverlust schlimmer ist als die Ausbeutung ist hier die treibende Kraft, die das egoistische System aufrechterhält.

Es lohnt sich nicht, mit einem Ausbeuter eine Beziehung zu führen. Langfristig sind die Kosten der Ausbeutung in Form von Gesundheit, Freiheit und Lebensqualität zu hoch. Zumal auch die Kinder eine destruktive Verteilung der Geschlechterrollen erlernen und diese weiterführen. Es gilt darum, einen Ausbeuter so früh wie möglich zu entlarven. Folgt auf nicht-Kooperation weiterhin die Ausbeuter-Strategie, so handelt es sich um einen waschechten Ausbeuter. Man wird ihn nur durch Belohnung disziplinieren können. Und auch nur so lange wie es die Belohnung gibt. Z.B. Sex für Hilfe im Haushalt. Das ist jedoch eine fragile Grundlage.

Nur die ehrliche Einsicht über das eigene ungerechte Verhalten hat Potenzial für eine ewig haltende Beziehung. Ein Ausbeuter, der nur durch Belohnung einlenkt, wird gemäß Spieltheorie höchstwahrscheinlich auch fremdgehen, sobald die Belohnung des Fremdgehens höher ist als die der Treue.

Das Kooperationsspiel Ewige Beziehung

Vor einer Beziehung oder einem Jobantritt die Grundkenntnisse der Spieltheorie zu verinnerlichen, legt einem niemand nahe. Allerdings kann dieses Wissen darüber entscheiden, ob Glück oder negative Gefühle das eigene Leben beherrschen. Die Spieltheorie wird primär dem Finanzmarkt zugeschrieben. Das ist fatal, denn dort funktioniert sie meistens nicht. Dort tummeln sich zu viele, unterschiedlich informierte, anonyme Spieler mit verschiedenen Motiven. Das macht Voraussagen zum Verhalten im Grunde unmöglich.

In einer Beziehung ist die Spieltheorie sehr viel präziser. Die Spieler sind nicht anonym und haben das gleiche Motiv – eine funktionierende Beziehung, auf die man bauen kann, z.B. eine Familie. Niemand geht perfekt in eine Beziehung. Aber darum vertraut man sich einer anderen Person an und verbringt das Leben mit ihr: Man will gemeinsam wachsen. Dem unbewussten Ausbeuter sein egoistisches Verhalten nicht zu spiegeln, ist Betrug an der Beziehung an vor allem an sich selbst. Sie leidet an seiner Ausbeutung, er an ihrem stillen Groll. Man führt keine Beziehung, sondern spielt ein Spiel, bei dem es nur Verlierer gibt.


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Comments to: Spieltheorie rettet Beziehungen
  • […] Die Methoden der Venus Partei werden immer drastischer und unmenschlicher, da der Verfall der Gesellschaft nicht mehr zu ignorieren ist. Es wird innerhalb der Partei verdrängt, aber eigentlich weiß jeder, dass das System bald implodieren wird. Dieses Wissen markiert gemäß Spieltheorie das Ende der Kooperation. […]

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